Sarin, Chlor

New York Times, Parry

Am 6. April 2017 erschien ein Artikel von Robert Parry, der eine interessante Entwicklung zu den Giftgasvorwürfen zeigt. Die Zeitschrift läßt den wichtigsten Vorfall, Duma bei Damaskus vom August 2013 unter den Tisch fallen, erwähnt aber weitere nicht abschließend oder gar nicht untersuchte Giftgasattacken.

Wenn der prominenteste Angriff, bei dem Obama sich endgültig in seinen Roten Linien verwickelte, nicht mehr genannt wird, kommt das einem Rückzug an der Propagandafront gleich.

Nun haben wir andauernd von englischer, französischer Seite gehört, dass es in Syrien zahllose solche Verbrechen gibt, die allesamt der Regierung angelastet werden. Wohlgemerkt ohne Untersuchung vor Ort und nur mit Zeugen, die nun einmal auf der einen Seite der Front stehen (Al Kaida usw).

Eine umfassende Aufklärung ist erst möglich, wenn in diesen Gebieten rechtsstaatliche Verhältnisse herrschen und dann eine internationale Kommission die Vorgänge untersucht. Man denke an das Massaker von Hula 26. Mai 2012 (noch ohne Gift), wo die Untersuchung telefonisch durchgeführt werden musste, weil die Rebellen dort so lange Bärte trugen und auch kein syrisches Arabisch sprachen. Die befragten Zeugen standen unter der Obhut dieser Söldner (von Katar und S. Arabien bezahlt).

Zur Chemie bleibt nur zu sagen, Chlor gilt nicht als Kriegswaffe, obwohl es in Syrien angewendet wurde (alle Angriffe sind nicht fertig untersucht). Das Sarin als geruchloser, farbloser Stoff, lässt die Opfer qualvoll sterben. Die Haut färbt sich blau. Es ist erstaunlich, mit welcher Unbekümmertheit manche Helfer Sarinopfer bergen, ohne auf diese heimtückische Wirkung des Kampfstoffes zu achten.

Handschuhe für Sissies

Sarin. It's only a flesh wound.

Ein ganz eindrucksvoller Artikel stammt von Ziad Abu Fadel mit seiner Site : syrianperspective.com . A Cesspool of lies. Gleich zu Beginn verweist er auf das Bild des Marlboro man, der bei der Rettung eines Giftgasopfers rauchend an der Seite zuschauen darf. Auch dort haben die Retter keine besondere Schutzkleidung. Sie sind immun gegen Sarin.

 

CESSPOOL OF LIES: WESTERN MEDIA AND THE TOXIC FANTASY

Ziad Abu Fadel ist ein Exilsyrer in USA mit Beziehung zum Staat Israel. Diesen Staat kann er nicht positiv beschreiben. Seine Analysen treffen sehr oft den Nerv des Betrachters. Er nennt seine Beiträge auch Meinungsäußerung. Nur ganz selten fand ich, dass er sich die Verhältnisse zurechtredet. Einmal, als das wichtige Gasfeld bei Tadmur (Palmyra), Al Schaer von der IS erobert wurde, wollte er uns weismachen, dort sei nichts als Wüste. Es ist dort aber das Erdgasfeld, mit dessen Energie der elektrische Strom für halb Syrien gewonnen wird. Sogar mit dem Namen Hula (April 2012) gab es anfänglich Probleme, ich vermute, er wollte diesen Ort nicht kennen, weil dort das prominenteste Massaker zu Beginn des Krieges verübt wurde. Die Deutschen hatten daraufhin ihren Botschafter aus Syrien abgezogen. Allerdings gab es sogar in der FAZ einen mutigen islamwissenschaftlich gebildeten Reporter, Hermann, der das Massaker von Hula untersuchte und erklären konnte, dass dort Schiiten von sunnitischen Söldnern abgeschlachtet worden waren. Die syrische Regierung hat damals nichts über die Religionszugehörigkeit der Opfer ausgesagt, im Westen gelten alle diese Verbrechen als Taten des Schlächters von Damaskus.

Inzwischen weiß Herr Fadel genau, wo Hula liegt. Man kann aus seinem Archiv 2012 lesen, wer der Haupttäter gewesen ist. Seine Berichte sind sehr detailliert; wenn das „Regime“ wieder ein Gebiet erobert, nennt er die Namen der getöteten syrischen Rebellen, von der Mehrzahl der fremden Kämpfer interessiert der Name nur, wenn es sich um Anführer handelt.

Die NZZ (Neue Züricher Zeitung) hat am 04. Mai 2017 einen bemerkenswert naiven Artikel verfasst, der gut in die Rubrik Cesspool of Lies: Jauchegrube der Lügen, passt. Eine 20-seitige Dokumentation aus Russland wird mit geringer Wirkung lächerlich gemacht. Das wissenschaftliche Niveau des NZZ-Beitrags erklimmt ungeahnte Höhen, wenn von der Anwendung des Giftes gesprochen wird. Es sei ein Zweikomponentenkampfstoff, der erst bei der Ausbringung gemischt wird. Es verhält sich aber so, dass er ( C4H10FO2P), ähnlich wie das gute alte E605 als Flüssigkeit daherkommt, die besonders bei Kontakt mit Schleimhaut (Auge, Nase, Lunge) ihre tödliche Wirkung entfaltet. Die Amerikaner haben Versuche gemacht, das Sarin erst in der Granate zu mischen, die Erfolge lassen aber auf sich warten.

gifte.de

Jetzt interessiert uns noch, wie es zu den Bildern kommt, wo die Reporter in Chan Scheikun einen kleinen Explosionskrater auf der Straße zeigen, ohne jede Schutzkleidung. Die übliche Ausbringung bei einem Luftangriff geschieht in über 50 m Höhe, wo die Granate geöffnet wird und das Sarin regnet auf die Opfer herab. Kein Aufschlagkrater.

Wir wissen nicht, was in dem Ort passiert ist, es widersprechen sich auch die Aussagen der Zeugen, von denen einige gelbliche Farbe, andere  einen stechenden Geruch wahrgenommen haben. Sarin ist farblos und geruchlos, darum auch so gefährlich. Es deutet eher auf Chlor hin.

Terroristen können kein Giftgas anwenden, weil das zu kompliziert ist:

Besitz von Sarin

Einige glauben, oder wollen glauben machen (Elliot Higgins, bellingcat) , dass die „Rebellen“ kein Giftgas angewendet haben, weil dessen Herstellung oder Anwendung zu schwierig sei.  Dem ist nicht so. Der angegebene Artikel bei foreignpolicy.com  zeigt auf, wie die Verbündeten der westlichen Wertegemeinschaft bei der Erstürmung einer syrischen Basis an solche Stoffe herangekommen sind. Ein Kämpfer beschreibt auch die zweimalige Anwendung mit Selbstmordfahrzeugen voller Chemie, die in Checkpoints der Armee gesteuert wurden.

 

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